Tipps an SammlerInnen

Wer noch nie Kunst gekauft hat

Wenn Sie eine Galerie betreten und nach dem Preis eines Kunstwerks fragen, dürfen Sie nie die Vorstellung haben, der Galerist wolle Ihnen das Werk sofort verkaufen. Der Galerist interessiert sich vor allem, warum Ihnen das Werk gefällt und möchte mit Ihnen in einen Dialog und einer Diskussion kommen. Es ist wie beim Einkauf in einem Fachgeschäft: Der Galerist möchte Sie beraten und Ihnen helfen, einen optimalen Kauf zu tätigen. Nur so kommen Sie wieder in die Galerie und kaufen eventuell ein zweites oder drittes Werk oder interessieren sich für einen anderen Künstler. Der Galerist ist mehr als Verkäufer. Er ist Berater und Diskussionspartner. Er hilft Ihnen, wenn Sie sich für ein Werk in einer anderen Galerie interessieren und kann Ihnen sagen, ob aus seiner Sicht der Kauf vorteilhaft ist oder nicht. Falls Sie sich zu einem Kauf eines Kunstwerks entschliessen, verkauft Ihnen der Galerist auch ein Stück „Menschenwerk“ und das ist grundsätzlich etwas anderes als ein doppelreihiger Anzug.

Preis

Die Preise in der Galerie sind fix. Ein Bazar findet nicht statt. Wenn Sammlerinnen und Sammler meinen, man könne ein Werk, das Fr. 5'000.00 kostet, auch für Fr. 3'000.00 haben, so wäre ein solches Angebot auch eine Geringschätzung des Künstlers.

Sehr guten Sammlern gibt der Galerist oder bei grösseren Käufen in der Regel einen Rabatt. Das ist auch in anderen Geschäften so.

Worüber man aber mit dem Galeristen sprechen kann, ist die Art der Bezahlung des Kaufpreises. Da die Preise für den Käufer in der Regel hoch sind, sind Teilzahlungen mit klaren Absprachen ein Thema.

Der Kauf in einer Galerie oder bei einer Auktion

Käufer von Kunst sind oft unentschieden, ob sie in einer Auktion oder bei einer Galerie kaufen wollen. Beide Arten von Ankäufen machen Sinn. Der Galerist bezieht die Werke direkt vom Künstler. Sowohl der Künstler wie der Galerist wollen die allerbesten Werke den Kunden präsentieren. Wer eine Galerie führt und für seine Künstler kämpfen will, will nur das Beste vom Besten zeigen. Dies führt dazu, dass jedes später einmal bedeutende Kunstwerk nie über eine Auktion verkauft wurde, sondern zunächst über eine Galerie. Oft ist es so, dass die später sehr gesuchten Kunstwerke in einer Galerie – wenn sie das erste Mal ausgestellt werden – schwer verkäuflich sind. Die Qualität eines Kunstwerks hat also nicht damit zu tun, ob es in einer Galerie sofort verkauft wird oder nicht.

Für den Galeristen ist es bei wichtigeren Künstlern entscheidend, das Kunstwerk in eine gute Sammlung zu platzieren. Dieses Anliegen hat auch der Künstler. Man will nicht, dass spekulativ etwas gekauft wird, damit es in einem Jahr sofort wieder auf einer Auktion landet, auch wenn sich dies nicht verhindern lässt.

Beim Kauf auf einer Auktion findet man oft Kunstwerke, die überhaupt in einer Galerie nicht mehr zu finden sind. Diese haben – je nachdem, ob es mehrere Interessenten hat oder nicht – einen überdurchschnittlichen Preis. Viele interessieren sich bei einer Auktion für den Kitzel, der durch die Auktion entsteht. Das Bieten und Überbieten und die Frage, ob man das Kunstwerk erhält oder nicht, gehört für viele zum Lifestyle.

Ob Kunstwerke vorteilhafter bei Auktionen gekauft werden oder nicht, kann nicht generell gesagt werden. Künstler können einen Marktwert besitzen, der mit der Zeit steigt oder sinkt. Kommt später ein Kunstwerk auf eine Auktion, so kann es vielleicht günstiger erworben werden als in einer Galerie. Wenn jedoch der Marktwert steigt, ist das Kunstwerk teurer. Da die grossen Auktionshäuser sehr feine Verteilnetze haben, ist es heute im Bereiche der Gegenwartskunst fast nicht mehr möglich, „Schnäppchen“ zu machen.

Der Galerist wird nicht jedem Sammler alles zeigen. Wenn jedoch der Sammler ernsthaft ist, so wird er ihm Dinge vermitteln, die nicht in der Ausstellung zu sehen sind oder von deren Existenz er weiss. Wenn ein Sammler ein wichtiges Stück nicht mehr will, so verkauft der Privatsammler das Werk oft an den Galeristen zurück und nicht über ein Auktionshaus.

Information

Galerien sind Informationsstätten. Nach wie vor gibt es kein Schaufenster für Gegenwartskunst, das in zeitlicher Hinsicht früher ist als Galerien. Jeder Künstler, der in einer Kunsthalle oder in einem Museum gezeigt wird, hat vorher in einer Galerie seine Werke präsentiert. Galerien sind somit für die Früherkennung aber auch den Markttest zuständig. Wer sich systematisch und oft in Galerien umsieht, schärft mit der Zeit seine Wahrnehmung.

Sammler, die über Abbildungen in Zeitschriften, Katalogen oder per Internet Kunstwerke kaufen, fahren meist schlecht. Nur das sinnliche Erlebnis zwischen Kunstwerk und Betrachter kann gute Kunstkäufe ausmachen.

Versicherungen

Kunstwerke sind in der Regel in einer Hausratversicherung mit einem Gesamtbetrag zu versichern. Wer über eine grössere Sammlung verfügt, tut gut daran, eine Kunstversicherung abzuschliessen. Die grossen Versicherer sind die Helvetia, Axa, die Nationalversicherung und die Mobiliar. Alle haben spezielle Policen. Der Verband Schweizer Galerien hat mit der Helvetia eine Rahmenvereinbarung abgeschlossen und empfiehlt diese Versicherung.