Empfehlungen an KünstlerInnen

Unser Verbandssekretariat und die Mitgliedgalerien erhalten sehr viele E-Mails, Briefe und Dokumentationen aus dem In- und Ausland. Künstler aus aller Welt fragen uns an, ob wir eine Ausstellungsmöglichkeit für sie sähen und an welche Galerien sie sich wenden sollen.

Um Künstlern einen Anhaltspunkt zu geben, wie sie vorgehen sollen, empfehlen wir folgendes Vorgehen:

 

  1. Senden Sie weder Dokumentationen, Briefe und e-Mails an uns oder die Mitgliedgalerien. Bei Dokumentationen besteht die Regel, dass diese in der Galerie oder auf dem Sekretariat eine Zeitlang gelagert und dann entsorgt werden. Das Problem sind die hohen Portokosten, welche mit jedem Rückversand verbunden sind. Unsere Mitglieder sind nicht mehr bereit, jede Sendung an den Absender zurück zu senden. Man braucht dafür Zeit und man gibt dafür Geld aus.

  2. Künstlern sei empfohlen, an ihrem Arbeits- und Wohnort ein Beziehungsnetz aufzubauen, damit Galeristen, Ausstellungsmacher, Museumsleute und Kommissionen von Kunstkrediten oder anderen Institutionen aufmerksam werden. Der Wohn- und Arbeitsort ist am besten geeignet, eine Karriere zu starten.

  3. Wer schon über eine Galerieverbindung verfügt, soll Erweiterungen der Vertriebskanäle über den Galeristen ins Auge fassen. Das heisst, der Galerist vernetzt seine Galerie mit einer Zweit- oder Drittgalerie im In- oder Ausland. So wird der Künstler national oder international bekannt.

  4. Ein Faktor in einem Beziehungsnetz sind die Medien. Die Medien werden aber vor allem über Ausstellungen aktiv.

  5. Galeristen sind professionell tätige Unternehmen, welche mit der Miete von Räumlichkeiten, der Anstellung von Personal und der Organisation des gesamten Ausstellungsbetriebs (Einladungskarten, Veranstaltungen, Vernissagen) ein erhebliches, geschäftliches und finanzielles Risiko eingehen. Die Zusammenarbeit mit Künstlern erfolgt deshalb auf einer professionellen Ebene. Das schliesst zum Einen die Zusammenarbeit mit „Hobby-Künstlern“ aus und zum Andern wird von den professionell tätigen Künstlern eine gewisse kaufmännische Aufgeschlossenheit bezüglich der Administration ihrer Geschäfte verlangt. Nur auf dieser Ebene kann eine Zusammenarbeit zwischen Galerie und Künstler Erfolg haben.

  6. Galerien arbeiten in der Regel mit 10 bis 20 Künstlern zusammen. Neue Künstler wählen sie sorgfältig aus. Dies geschieht meistens auf Empfehlung (in dem man sich gegenseitig an Messen, Gruppenausstellungen oder andern Anlässen aufmerksam macht). Der Künstler muss sowohl von seiner Arbeit wie auch von der Persönlichkeit her in das Galerienprogramm passen. So hat es keinen Sinn, bei einer Galerie für konstruktive Tendenzen als expressiver Künstler unterkommen zu wollen oder bei einer Fotogalerie Malerei anzubieten. Eine genaue Bedarfsanalyse ist von beiden Seiten her wichtig.

  7. Galerien stellen ihre Künstler in periodischen Abständen (ca. alle zwei bis drei Jahre) in einer Einzelausstellung vor. Oft werden die Künstler auch in Gruppenausstellungen oder an Messen gezeigt.

  8. Zwischen Künstler und Galerie wird in der Regel ein Vertrag abgeschlossen. Oft sind die Abmachungen mündlich, es setzen sich aber in der Praxis vermehrt auch schriftliche Verträge durch. Der Verband Schweizer Galerien hat einen solchen Mustervertrag inkl. Kommentar ausgearbeitet (Mustervertrag zwischen Galerie und Künstler Innen).
    Empfehlenswert ist zudem die Publikation „Kunstrecht“ (Bruno Glaus/Peter Studer), Werd Verlag, Zürich (werdverlag.ch).

  9. Ausländische Künstler haben oft die Vorstellung, dass in der Schweiz mit relativ einfachen Anfragen eine Galerie gefunden werden kann. Das ist nicht der Fall. Handelt es sich um renommierte Galerien, die auch umsatzmässig und von der Kostenstruktur her eine gewisse Dimension aufweisen, muss der Künstler bereits einen erheblichen Marktwert besitzen, um überhaupt ins Geschäft zu kommen. Kleinere, finanzschwache Galerien bevorzugen in der Regel ein nationales Umfeld oder zumindest ein ihnen bekanntes und durch verschiedene Wege erarbeitetes Umfeld. Anfragen mittels Dokumentationen, E-Mails oder Briefe machen in diesem Falle keinen Sinn.